Bronzen aus Benin

Bronzen aus Benin

Die unbestreitbare Schönheit der Bronzen aus Benin kommt von der Präzision der Zeichen und der  Besonderheit, dass nur dieses so dichte und kalte Material geben kann.

Diese Skulpturen und diese Darstellungen sind wertvolle Einzelstücke, die über den selbstverständlichen dekorativen Gebrauch hinausgehen und die den Anlass geben, eine Sammlung anzufangen zu wollen, oder zu vervollständigen.

Die Bronze ist ein wertvolles Material in Westafrika; sie ist selten und schwer zu finden. Die Bronzefiguren wurden von Prinzen oder Reichen an Künstler in Auftrag gegeben, die sich selbst verwirklicht haben wollten oder einer ihrer Vorfahren.

Die Kunstwerke sind also personalisierte Einzelstücke , realisiert im Wachsausschmelzverfahren, mit dem eine minimale Menge an Bronze ausreichend ist, um meisterhafte Kunstwerke zu schmieden. In jeder Bronzeskulptur ist das handwerkliche Geschick und eine hohe technische Qualität erkennbar, die das besondere Merkmal der schwarzen Kunst seid ihrem Erscheinen ist. Die Bearbeitungstechnik, insbesondere die des Wachsschmelzverfahrens, wird seid Jahrhunderten überliefert ohne erkennbare Variationen angewendet; dank der wandernden Schmiede hat die Bronzekunst im gesamten Afrika eine beeindruckende Varietät in der Anwendung und im Ausdruck erfahren.

 

Die Kunstwerke des Benin sind beträchtlich und mit der Verschmelzung von Bronze werden verschiedene Darstellungen des sozialen Reiches geschildert;  der Herrscher Oba ließ in der Tat zu seinen Ehren vielfältige Objekte meißeln: Stühle und Zeremonienthrone, Zeremonienpfeifen, Gefäße für Nahrungsmittel, Löffel, Kämme, Fliegenklatschen, Nackenhalter. Das heilige Element ist von akkurater, künstlerischer Ausführung geprägt. Die Darstellungen des Herrschers Oba gehören zu den schönsten und aussagekräftigsten, wie die des Königs auf dem Pferd im Festgewand. Oba wurde wie eine Gottheit verehrt und alle Dekorationen des Palastes wurden ihm gewidmet.
Von außergewöhnlicher Machart sind auch die Bronzeschildchen, die Krieger darstellen, die Oba beschützen; diese Schildchen verzieren die Wände des großen Palastes von Benin.

Geschichte des Reiches von Benin

In der heiligen Dynastie des Benin sind Bronze und Elfenbein nicht nur einfache Materialien zur Verwendung von Kunstwerken am Hof. Bronze und Elfenbein sind Symbole mit denen die ewige Ordnung verkörpert wird, eine Vergangenheit, die nicht vergeht und unverändert in die Gegenwart zurückkehrt. Diese so beständigen Materialien, die scheinbar in der Lage sind, sich den Veränderungen der Zeit zu entziehen, werden die Protagonisten der Hofkunst und der kulturellen Riten, mit denen die Macht der Heiligen Dynastie sich behauptet und zelebriert. In einem Ambiente indem selbst die Paläste der Herrscher nur aus Holz und Ton bestehen, entpuppen sie sich alles andere als ewig. Bronze und Elfenbein haben die Stabilität des Reiches von Benin repräsentiert und deshalb kann es sich voll berechtigt einen Bronze- und Elfenbeinstaat nennen.

Die Kunstwerke, die auf die Votivaltäre von Oba gestellt werden können, dem König zu Lebzeiten, und den anderen hohen Würdenträgern, wie den Insignien für Ihre offiziellen Auftritte, werden seit Jahrhunderten aus diesen Materialien hergestellt: Ihre Härte wurde ausgenutzt um aus dieser Hofkunst das Instrument zu machen mit dem die Macht der heiligen Dynastie repräsentiert und legitimiert wurde. In einer Gesellschaft ohne Schrift, wurde die mündliche und visuelle Kommunikation die tragende Säule der Macht. Nur die Darstellungen aus Bronze und Elfenbein der Vorfahren und Vorkommnisse, echte oder mythische, erlaubten dem Volk die Kraft und Härte der heiligen Dynastie vor Augen zu führen, allem Anschein nach ewig. In Benin wurden in der Tat König und Würdenträger als legitime Träger der Macht angesehen, da sie direkte Abkömmlinge der Göttlichkeit.

Die mythischen Figuren von Gründern, Ahnen oder Helden zeigten zusammen bei Aufführungen, wie die existenten Hierarchien von einem außerirdischen Willen abstammen und wie die Ordnung auf der das Reich gegründet wurde, zeitlos und unantastbar sei. Außerdem verkörperten die Werke aus Bronze uns Elfenbein in Benin eine zweifache Realität: die Vergangenheit und die Gegenwart. Die Darstellungen der toten Könige konnten die existierenden Autoritäten mit den illustrierten Vorfahren verbinden, die der Vergangenheit angehörten und machten gleichzeitig offensichtlich, dass die Erbschaft der Antiken auch in der Gegenwart weiterleben würde durch den Einfluss von Oba.

Die Kunstwerke aus Bronze und Elfenbein drücken das kulturelle Gedenken des Reiches aus, indem sie die zweifache Dimension, die die Zeit in Benin einnimmt, darstellen können: die der Dauer, wo die Kunstwerke von glorreichen Ären erzählen, die bis in die heutige Zeit überliefert sind, und die des Zyklus, das heißt die Wiederholung von einem regelmäßigen Ablauf der selben Riten und Ereignisse. Die Monumente aus Bronze und Elfenbein, die sich ständig vermehrten und sich im Laufe der Generationen ansammelten, konnten auch die Macht stabilisieren: es waren dauerhafte Bilder, die sich vor den Augen versinnbildlichten, sehr viel mehr als es nur die mündlichen Traditionen hätten vermögen können, die kulturelle Identität und das Machtsystem des Reiches.

Um die Staatsordnung aufrecht erhalten zu können, feierte Oba kulturelle Riten mit denen derjenige anerkannt wurde, der die Macht hatte und von dem Gesundheit, sowie Krankheit des gesamten Reiches abhing. Obgleich Oba und sein Palast den Mittelpunkt der Stärke des Reiches darstellte, verwalteten die höchsten Würdenträger und Beamte der Hofleitung in der Tat die Provinzen und Teile des Reiches mit einer hohen Unabhängigkeit von der Zentralmacht. Oba setzte sich im Zeremonialzentrum des Hofes und in der leitenden Ideologie fest, indem kulturelle Riten in Szene gesetzt wurden, die dem Volk und dem Hof die Idee der Macht der Ewigkeit der Benindynastie übermitteln konnten. Die Materialien konnten also nicht andere sein als Bronze und Elfenbein um dies alles zu versinnbildlichen.